Wüsste ich es nicht besser, könnte ich glauben, einen frühen Text von Krasznahorkai vor mir zu haben; nur dass die Sätze hier viel kürzer sind. Oder ist es ein Text von Houellebecq? Weder noch, der Autor heißt Juan Goytisolo und der Text, ich scheue mich, das Buch Roman oder Erzählung zu nennen, trägt den Titel „Landschaften nach der Schlacht“.
Hätte ich den schmalen Band gelesen, wenn der folgende Satz, nicht erst auf Seite 139 aufgetaucht wäre: „Vorsicht, Leser: der Erzähler ist nicht vertrauenswürdig.“?
Wahrscheinlich schon, auch wenn mich die pädophilen Träume des Autors abstießen. Was sollen wir über den Inhalt wissen, wenn wir diese Zeilen als „Lesehilfe“ verstehen wollen? Als Entscheidungshilfe darüber, ob wir den Text uns zu Gemüte führen sollten oder eher nicht.
Vielleicht helfen die folgende Zitate ein wenig weiter: „Der einzelgängerische Bewohner des Sentier hat nicht nur die Kommunikation mit seiner Frau auf eine Reihe von Zetteln reduziert, die er jeden Tag unter die Fußmatte von ihrem Appartement schiebt, …“
„… es reicht ihm aus, das halbe Dutzend Zeitungen und Zeitschriften, das er abonniert hat, durchzublättern, um auf Schritt und Tritt mehr als genügend Beispiele zu finden, die die gewaltige Überlegenheit des Wirklichen gegenüber mittelmäßigen und längst herbstmüden Inventionen beweisen.“
Die Hauptfigur ist ein „Rumi Verehrer“.
„Überflüssig anzumerken, dass sein unentschuldbares Betragen bei uns Gefühle der Missachtung und Empörung wachruft …“
„An diesem Punkt angelangt, brauchen wir nicht mehr zu betonen, dass die Bandbreite der Beschäftigungen und Interessen unseres Wandermannes eher beschränkt ist: manische, obsessive, fast köterhafte Streifzüge durch den Sentier; extravagante und erratische Besuche bei Zusammenkünften und Marabuts; nicht eben empfehlenswerte Lektüren, Kompilation von Zeitungsausschnitten, briefliche Fantasien, indiskretes Abhören der Gespräche seiner Frau.“
Doch dieser Autor konnte schreiben, er verstand sein Handwerk (er wurde 1931 in Barcelona geboren und starb 2017 in Marrakesch). Und wenn ich Sätze wie den folgenden lese über diese kleine Welt auf der wir leben und denken, alles drehe sich um diese Erde und eigentlich um uns grandiose Kronen der Schöpfung, dann wird das Ausmaß seines Könnens so ganz klar!
„Unsere Vernichtung würde kein Problem darstellen und nicht einmal bemerkt werden: der Planet ist eine winzige und beinahe unsichtbare Warze, die sich dreht und immer wieder um einen Schwarm anderer Warzen kreist, die in einer dichten und schwindelerregenden Myriade Tausender von Millionen Galaxien schweben.“
