Von Zeit zu Zeit gönne ich mir die Lektüre eines der Bücher von Thomas Bernhard, diesem Obergrantler, diesem Miesmacher und Zertrümmerer des Lebens der Österreicher, diesem Austromisanthropen.
In dem mit dem Untertitel „Komödie“ versehenen Roman „Alte Meister“ berichtet der „Privatgelehrte“ Atzbacher über seine Begegnungen mit dem Musikkritiker Reger. Man trifft sich in der Regel im Bordone-Saal des Wiener Kunsthistorischen Museums, in dem Reger mehrmals in der Woche stundenlang vor dem Gemälde „Mann mit weißem Bart“ des Venezianers Jacopo Robusti, genannt Tintoretto, sitzt. Er saß dort schon gemeinsam mit seiner Gattin, die aber seit einiger Zeit tot ist; er räsoniert über die Kunst, die Musik, die Literatur, das Leben an sich, die Lehrer, die Ärzte, die Haushaltshilfen, die Zeitungen.
Den Geschwätzschmutz der Tageszeitungen findet er unerträglich. Die Werke der Alten Meister findet er kaum der Rede wert. Diese Alten Meister seien „Weltausschmückungsmaler“ gewesen. Der Literatur kann er nichts abgewinnen, er, der nach eigenem Bekunden „niemals in meinem Leben ein einziges Buch ausgelesen“ habe, findet auch das von Goethe Geschriebene am Ende lächerlich.
Mit den Werken der Musiker verhält es sich nicht anders. So findet er Bruckners Werke seien „monumentales orchestrales Ohrenschmalz“. Und so grantelt Reger, in der Erzählung Atzbachers, vor sich hin.
Reger habe ihn zu einem außerplanmäßigen Treffen in das Museum bestellt, weil er ihm etwas mitzuteilen habe; was das ist, werden wir erst am Ende des Romans erfahren. Wir lesen aber beispielsweise zig-fach das wunderschöne Wort „Bordone-Saal-Sitzbank“.
Ich ergötze mich an der Schmähung der „Klimtkitschgemälde“, stimme dem Urteil des Autors zu, wenn er schreibt: „Schiele ist der bedeutendere Maler…Schiele ist nicht Kitsch, aber ein ganz großer Maler ist Schiele natürlich auch nicht.“
An den österreichischen Politikern lässt Reger/Bernhard naturgemäß kein gutes Haar.
Die Lektüre dieses Romans hat mir viel Spaß bereitet; allerdings muss man den Stil des Thomas Bernhard mögen, muss sich auf ihn und seine Weltsicht einlassen!
