Ich mag den Stil des Autors Joachim Meyerhoff. Er ist in der Lage, schwierige Situationen, die einen kleinen Kern Komik enthalten, so zu schildern, dass den Lesenden nichts anderes übrig bleibt, als zumindest zu schmunzeln.
In seinem Roman „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ ist der Tod nahezu ständig präsent und doch ist er eine heitere Lektüre.
Es fängt mit dem Zufallsfund eines Toten in einem Schrebergarten an, es zieht sich durch die Patientenreihen der Kinder und Jugend-Anstalt, deren Direktor Meyerhoffs Vater ist. Auf deren Gelände die Familie wohnt und der kleine Joachim mit seinen beiden älteren Brüdern aufwächst.
Der Vater lädt zu seinem Geburtstag Patienten ein. Beispielsweise einen Jungen, der gern die Familien-Hündin streicheln möchte, sich aber nicht traut. „Mich beschäftigte die Frage, wie es sein konnte, dass genau das, wonach man sich am meisten auf der Welt sehnt, das ist, was einem die grauenhafteste Angst einflößt.“ Zwar kann ich einen solchen Gedankengang einem kleinen Jungen nicht abnehmen, aber hier darf der Autor seine Überlegungen einbringen, wie er es möchte.
Eine wundervolle Anekdote handelt von der Eröffnung eines Klinik-Neubaus auf dem Anstaltsgelände, wozu sich der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Gerhard Stoltenberg, angesagt hatte. Man wartet auf den Politiker und dessen Sicherheitsleute reagieren bei einem vermeintlichen Überfall über. Als Jahre später, anlässlich eines Requiems für Vater Meyerhoff der ehemalige Ministerpräsident unter den Trauergästen ist, bemerkt Joachim, dass von der ehemaligen Größe des Politikers nichts übrig geblieben war. Da stand ein Mann, der mit dünner Stimme kondolierte. „Wie konnte das sein? Ich hatte seine Aura für eine gehalten, die gottgegeben aus dem Mark seiner Knochen entsprang und nicht nur das hauchdünne Blattgold eines Amtes war.“
Eine grandiose Beschreibung auch über ein suizidgefährdetes Mädchen, das zwei Monate als Gast in der Familie lebte. Sie war in allen ihren Reaktionen sehr langsam und sehr modisch gekleidet. „Aber es sah aus, als würden sich diese herrlichen Kleidungsstücke nur kurz auf ihr ausruhen, Pause machen, um dann zur eigentlichen Besitzerin weiterzuziehen.“
Ich kann nicht alle großartigen Erzählungen schildern, die dieser Roman enthält und manchmal nur auf wenigen Seiten zum Leuchten bringt. Das Sterben seines Vaters, die Momente der Annäherung der schon längst getrennt lebenden Eltern, gehören ebenso dazu, wie die Schilderung der Einschläferung der Hündin.
Als der Erzähler seine Mutter und seinen Vater eng beieinander liegend antrifft, wie er sich dazulegt und das mit den Sätzen beschreibt: „Deine schlafenden Eltern. Du hast immer nur Vater und Mutter gehabt, aber niemals Eltern. …Es war der schönste Moment mit meinen Eltern in meinem Leben.“, da ziehe ich vor einem großen deutschen Gegenwartsautor den Hut und verbeuge mich vor seiner Erzählkunst!
