Im dritten Teil seiner autofiktionalen Romane über die tragischen Verluste in seinem Umfeld, erzählt Joachim Meyerhoff über den Tod seiner Großeltern mütterlicherseits: „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke “. Zugleich ist es die Geschichte eines jungen Mannes, der nicht weiß, was er will, und der beschließt, Schauspieler zu werden.
Meyerhoff ist ein sehr mutiger Autor; wer würde sich schon so entblößen und von seiner Talentfreiheit, seinen Schwierigkeiten auf einer Bühne zu stehen, so berichten, wie er das tut. Nebenbei beschreibt er, ein Alkoholiker gewesen zu sein, denn in mehr als drei Jahren bei seinen Großeltern in München, scheint es keinen Abend gegeben zu haben, der nicht mit Rotwein und Likör endete.
Wieder brilliert der Autor mit großartigen Szenenbeschreibungen von Übungsstunden in der Otto-Falckenberg-Schule. Wie soll man eine Szene aus Effi Briest als Nilpferd spielen? Wie geht man damit um, wenn man gesagt bekommt, dass sein eigenes Talent nur aus Enthusiasmus bestünde. „Das war wieder so ein Satz mit verzögerter Wirkung. Erst mitten in der Nacht sollte mich die Infektion dieser Bemerkung umhauen.“
Wie geht man damit um, dass die Großmutter eine bekannte Schauspielerin war? Wie verkraftet man einen Großvater, der eigentlich nicht sein leiblicher Großvater ist, der ein bedeutender Intellektueller sein Zeit ist – zum Platzen geistvoll und belesen?
Wie verkraftet es ein junger Mann, keine Freundin zu haben? Und dann sagt ihm die Großmutter auch noch: „…das Schlimmste ist, wenn man bereut, dass man nichts zu bereuen hat.“
Und das großartige an dem hervorragenden Schriftsteller Meyerhoff ist, dass ihm ein Satz wie der folgende gelingt: „Es war ihr unerträglich, wie ihrer beider unaufhaltsam voranschreitendes Alter den Anspruch an ein mit Würde zu führendes Leben untergrub.“
Chapeau!
Lesen!
