Unter dem oben genannten Titel erschien in zweiter Auflage 2020 ein Band von Michael Zimmermann in der großartigen C. H. Beck Reihe Wissen.

Für mich als dilettierenden Laien wäre die Antwort einfach gewesen: der Impressionismus, das ist die alles überragende Kunst dieses Jahrhunderts.

Nach der Lektüre des schmalen Bandes mit vielen Abbildungen ist die Antwort viel komplexer. Schon im Untertitel steht: Realismus, Impressionismus, Symbolismus. Folgt man der Lektüre gibt es noch weitere Richtungen. Und am Schluss des Buches setzt sich der Autor mit der Fotografie auseinander. Schließlich gab es die Daguerreotypie seit 1838.

Aber von Anfang an. Zimmermann blickt von Paris aus auf die Kunst: „Die Welt der Kunst des späteren 19. Jahrhunderts soll in diesem Buch von ihrem Zentrum aus betrachtet werden.“

Er feiert Gemälde Manets; zurecht, wie ich finde. Und noch nie habe ich eine Bildbesprechung wie die über „Eine Bar in den Folies-Bergère“ von Édouard Manet aus dem Jahre 1882 gelesen. Grandios!

Ich möchte ein längeres Zitat über das Genie Paul Cézanne anfügen. Dieses Zitat zeigt die Tiefe der Darstellung in diesem schmalen Büchlein und auch, dass es nur anregen kann, sich mit der Kunst des 19. Jahrhunderts viel intensiver zu beschäftigen1

„Die Kunstgeschichte hat sich ihren Cézanne auf vielfache Weise konstruiert als Traditionalisten, der, wie er sagte, die Klassizität eines ‚Poussin nach der Natur noch einmal machen‘ wollte oder der in dem Wunsch nach Heimkehr in eine ewig archaische Mediterrania zu Giotto zurückfand: als Symbolisten, die die Seele im musikalischen Rhythmus der Natur erklingen ließ, als Kubisten, der den Prozess des rationalen Gestaltsehens durch die rhythmischen Strukturen auf der Leinwand vorwegnahm; schließlich als Neurotiker, der seine verklemmte Grundstimmung in triumphierenden Sublimierungsleistungen überwand oder überdeckte. All diese Konstruktionen verharren zu sehr an der Oberfläche der malerischen Struktur. Wenn man jenseits davon erlebt hat, wie in Cézannes Werken die Natur im Rauschen des Lichts immer klarer als Raum möglichen Lebens präsent wird, dann bleibt einem die ‚Suche nach dem verlorenen Realen‘ (Philippe Sollers), die dieser Großmeister des sich selbst erlebenden Sehens unternahm, verschlossen.“

Es gäbe noch viel Lobendes über dieses Büchlein zu sagen. Ich will es dabei belassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert