„Als Henry Preston Standish kopfüber in den Pazifischen Ozean fiel, ging am östlichen Horizont gerade die Sonne auf.“
So beginnt der schmale Roman „Gentleman über Bord “ von Herbert Clyde Lewis, der 1937 erstmals in den USA erschien. Es ist die präzise Beschreibung eines Unfalls und wie der Mann, der über Bord geht, mit diesem Missgeschick, er rutscht auf einem Ölfleck aus, umgeht. Er ist ein Gentleman „von der guten, unaufdringlichen Sorte“, niemand der im nächsten Augenblick wie am Spieß schreien wird. „Nach Lage der Dinge war Standish selbst noch in diesem Moment durch seine Erziehung zum Gentleman verdammt. Die Standishs waren keine Schreihälse.“
Großartig, wie der Autor den „Helden“ mit wenigen Worten skizziert und charakterisiert: „Er trank mäßig, rauchte mäßig und schlief mäßig mit seiner Frau.“ Auf die Reise, die schließlich zu diesem Unglück führte, hatte er sich nur begeben, weil er sich, modern gesprochen, ausgelaugt fand. Er hatte sich losreißen müssen: „Er war ein vollends abgestumpfter Mensch in jener Stunde, gefangen in der Leere der Nichtigkeit.“
Er hält sich auf dem einsamen Ozean sehr wacker über Wasser. Die Leute auf dem Schiff müssen seine Abwesenheit bemerken und dann umdrehen. Doch es vergehen Stunden, er fühlt „sich seltsam ehrfürchtig. Danach löste sich die Zeit in diffuse Gedanken auf.“
Der Autor schneidet die Situation auf dem Schiff dagegen. Man vermisst ihn lange Zeit gar nicht. Das Schiff ist kein Passagierschiff, sondern ein Frachtschiff, das wenige Passagiere für die Überfahrten mit an Bord nimmt, Man lernt diese Menschen kennen und wundert sich dann nicht mehr, dass das Verschwinden von Mr. Standish lange unbemerkt bleibt.
Und unser Mann auf dem Meer? Er vergaß, „dass er dem Untergang geweiht war, und es war verdammt lästig, wenn er sich daran erinnern musste.“ Leute, die eine Kreuzfahrt vor sich haben, sollten das Büchlein vom Reiseveranstalter vor Reiseantritt erhalten.
Diese Erzählung ist ein grandioses Stück Literatur! Ich kann die Lektüre nur empfehlen.
