Will man etwas über Leben und Werk von Gustave Caillebotte erfahren, sucht man in manchen Kunstführern vergeblich. Selbst in dem Standardwerk „Die Geschichte der Kunst“ von E. H. Gombrich findet sich nicht ein kurzer Hinweis auf den 1848 in Paris geborenen Sohn eines vermögenden Tuchhändlers. Dabei lohnt sich die Beschäftigung mit diesem großartigen Maler sehr.
Der schmale Band von Guillaume Morel aus dem Könemann Verlag hilft hier, eine Wissenslücke zu schließen, zeigt er auf knapp 190 Seiten viele Werke des Malers und Seglers, die sich zum überwiegenden Teil in Privatbesitz befinden. Das mag auch ein Grund sein, weshalb er nicht den Bekanntheitsgrad von Malern, wie Manet, Monet, Cézanne oder Renoir erreichte.
Mit seinem Werk kam ich in Berührung, als ich in einer Ausstellung in der Alten Nationalgalerie das in Chicago beheimatete Gemälde „Straße in Paris an einem regnerischen Tag“ besichtigte und aus dem Staunen nicht herauskam. Die Impressionismus-Sammlung Plattner im Museum Barberini in Potsdam verhalf mir weitere Werke des Malers zu erschließen. Das Gemälde „Paar beim Spaziergang“ (1881) zieht mich bei jedem Besuch magisch an und ich würde so gern das Gespräch dieses Paares (oder sein Schweigen) belauschen.
„Caillebotte war leidenschaftlicher Segler. Ab 1879 gewann er Regatten auf der Seine und seine luxuriösen und innovativen, von ihm entwickelten Boote zogen die Aufmerksamkeit auf sich. 1881 kaufte er ein Haus in Petit Gennevilliers, gegenüber von Argenteuil an der Seine gelegen, wo sich auch der Yachtclub Cercle de la Voile de Paris befand. Kurze Zeit später wurde das Haus in Petit Gennevilliers Caillebottes Hauptwohnsitz. So lag es nahe, verstärkt das Motiv der Segler und Boote zu malen.“ (Text in leicht überarbeiteter Version aus dem Wallraf-Richartz- Museum)
Eine kurze Anmerkung noch zu dem Kunstsammler Caillebotte, die ich dem Buch von Oskar Bätschmann „Édouard Manet“ entnehme: „Bei der Auktion seines (Manets) Nachlasses 1884 wurde das Gemälde (Der Balkon) von dem Maler Gustave Caillebotte gekauft, der in der Nähe von Argenteuil eine bedeutende Sammlung von zeitgenössischen Gemälden seiner Künstlerkollegen anlegte. Testamentarisch vermachte er diese Sammlung 1894 dem französischen Staat und brachte die Administration damit in größte Verlegenheit, denn sie hatte Mühe, die Werke des sogenannten Impressionismus selbst für das Musée du Luxembourg zu akzeptieren. Caillebotte hatte sich seit 1876 an den Ausstellungen der Künstlergruppe beteiligt, die zwei Jahre zuvor erstmals an die Öffentlichkeit getreten war.“
So ließe sich, ausgelöst durch den schmalen Band, noch viel über diesen großen Maler berichten. Dieser Band ist eine Anregung, sich mit einem wahrlich großen Impressionisten zu befassen!
