Kann es gelingen, einen Roman über einerseits „in vitro Fertilisation“ und andererseits „posttraumatische Belastungsstörung“ zu schreiben? Und vor allem, kommt dabei ein lesbarer Roman heraus?

Nach der Lektüre des Romans „Das amerikanische Hospital“ von Michael Kleeberg kann ich diese Frage uneingeschränkt bejahen. Mehr noch, ich kann sagen, dass ein aufregender Roman dabei zustande kam, ein sehr lesenswerter obendrein.

Der Autor siedelt den Roman in Paris an. In jenem amerikanischen Hospital versuchen die Spezialisten der weiblichen Zentralfigur Hélène ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Zur gleichen Zeit wird ein Angehöriger der amerikanischen Armee dort wegen seiner auf Ereignisse während des Irak-Kriegs zurückzuführenden Belastungsstörungen behandelt.

So könnte, in einem Dreigroschenroman, eine Liebesbeziehung zwischen Hélène und dem Offizier David Cote beginnen. Nicht so in einem Roman eines meisterhaften Erzählers. Im Laufe der Jahre, denn zwischen den fehlgeschlagenen Fertilisationsversuchen muss immer eine gehörige Pause verstreichen, werden die beiden Hauptpersonen, die sich immer wieder eher zufällig im Hospital über den Weg laufen, sehr viel über sich dem jeweilig Anderen erzählen.

Nebenbei führt uns der Autor durch Paris, häufig abseits der von den Touristen ausgetrampelten Pfaden, was das Vergnügen an der Lektüre dieses Romans noch erhöht. Und nach solchen „Ausflügen“ kehren wir dann wieder auf die „Trampelpfade“ zurück: „Ein Stück weiter den Boulevard Malesherbes hinunter in Richtung Madeleine, vorüber an den typischen sandfarbenen Haussmann’schen Blocks mit ihrer erhöhten Beletage, ihren fein ziselierten schmiedeeisernen Balkongittern und ihren vor Nässe schieferfarben glänzenden Zinkdächern verdichtete die Menschentraube auf dem breiten Trottoir sich…“

Oder sie gibt ihm Hinweise, was er sich nicht entgehen lassen sollte, wenn seine physisch-psychische Verfassung es zulassen werde: „Moret-sur-Loing…Schönheit. Sisley. Die Seine da, wo sie am lieblichsten ist.“

Ein Ausflug zum „Cimetière du Père-Lachaise“ gehört auch dazu und den kann man auch im Hochsommer absolvieren. „Noch befand die Stadt sich in träger Augustlethargie, an der auch die Massen schwitzender Touristen nichts änderten, eine der Ebbegezeiten im Puls der Stadt, die erst in der ersten Septemberwoche mit der Rentrée enden würde, wenn wie eine Springflut das hektische Leben in die Kapitale zurückdrängt.“

Das Ende verrate ich nicht, ich habe es ebenso genossen, wie die Schilderung von Paris im Ausnahmezustand (Generalstreik!).

Es ist ein Genuss, dem Erzähler Michael Kleeberg zu folgen!

Ich kann die Lektüre nur empfehlen!

Penguin Verlag, 235 S., 10 €

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